{"id":174627,"date":"2016-12-07T08:03:26","date_gmt":"2016-12-07T13:03:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.euvolution.com\/prometheism-transhumanism-posthumanism\/mem-wikipedia\/"},"modified":"2016-12-07T08:03:26","modified_gmt":"2016-12-07T13:03:26","slug":"mem-wikipedia","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.euvolution.com\/prometheism-transhumanism-posthumanism\/memetics\/mem-wikipedia\/","title":{"rendered":"Mem  Wikipedia"},"content":{"rendered":"<p><p>    Das Mem (Neutrum; Plural: Meme) ist Gegenstand    der Memtheorie und bezeichnet einen einzelnen    Bewusstseinsinhalt, zum Beispiel einen Gedanken. Es kann    durch Kommunikation weitergegeben und damit    vervielfltigt werden und wird so soziokulturell auf hnliche Weise    vererbbar, wie Gene auf    biologischem Wege    vererbbar sind. Ganz entsprechend unterliegen Meme damit einer    soziokulturellen Evolution, die    weitgehend mit denselben Theorien beschrieben werden kann.  <\/p>\n<p>    Analog sind bei der Weitergabe Vernderungen mglich  etwa    durch Missverstndnis oder unterschiedliche Auffassungen     wobei (uere) Umwelteinflsse die weitere Verbreitung verstrken    oder unterdrcken knnen. Nach Ansicht des Wissenschaftlers    Mihly Cskszentmihlyi wird ein    Mem kreiert, wenn das menschliche Nervensystem auf eine    Erfahrung reagiert.[1]  <\/p>\n<p>    Die Memtheorie wird in verschiedenen Fachwissenschaften (insb.    Psychologie, Sozialwissenschaften, Kulturwissenschaften), soweit sie    Beachtung findet, einer zum Teil harschen Kritik unterzogen.    Einerseits seien die Begriffe (Replikator, Einheit der    Selektion etc.) zu unscharf definiert, um berhaupt empirisch    besttigt oder widerlegt werden zu knnen, andererseits    ignoriere die Memtheorie schlicht die Ergebnisse der    psychologischen und sozialwissenschaftlichen Forschung.[2] Zur Umstrittenheit der    Memtheorie trage darber hinaus bei, dass der Erkenntnisgewinn    der Theorie unklar sei.[3]  <\/p>\n<p>    Seit der Jahrtausendwende wird der Begriff auch  oftmals in    seiner englischen Schreibweise Meme  fr Internet-Phnomene verwendet, die sich    in sozialen Medien viral verbreiten.  <\/p>\n<p>    Das Wort Mem ist ein Kunstwort. Es ist etymologisch dem englischen Wort    gene (Gen) nachempfunden und hat mehrere weitere Bezge:  <\/p>\n<p>    Die Begriffe Memvorlage und Memausfhrung werden in    Analogie zu dem Begriffspaar Genotyp und Phnotyp aus der    Genetik hufig auch als Memotyp und Phmotyp bezeichnet.    Beispiel: Eine Partitur (Memotyp) wird verwendet, um Musik    reproduzierbar zu machen. Die tatschlich im Konzertsaal    erklingende Musik ist entsprechend der sogenannte Phmotyp.  <\/p>\n<p>    Die englische Bezeichnung meme wurde 1976 vom    Evolutionsbiologen Richard Dawkins vorgestellt; er nannte    als Beispiele dazu: Ideen, berzeugungen, Verhaltensmuster.    Mit diesem kulturellen Pendant zum biologischen Gen (englisch gene) veranschaulichte er das Prinzip    der natrlichen Selektion, deren Grundeinheit    Replikatoren von Informationen    sind.[4] Die Bezeichnung Mem    beschrieb er als selbst gewhltes Kunstwort, das sich auf den    griechischen Terminus , Mimema (etwas    Nachgemachtes) beruft.  <\/p>\n<p>    Als Memetik wird das daraus abgeleitete Prinzip der    Informationsweitergabe bezeichnet.[5][6] Das Mem findet seinen Niederschlag    in der Memvorlage (im Gehirn oder einem anderen Speichermedium) und der    Memausfhrung (zum Beispiel Kommunikation). Die Vernetzung von    einander bedingenden Memen wurde von Dawkins zunchst als    koadaptiver Mem-Komplex (coadapted meme complex)    bezeichnet, was spter zum Kunstwort Memplex    zusammengezogen wurde.[7][8]  <\/p>\n<p>    Dawkins griff nach eigenem Bekunden auf die 1975 geuerten    Thesen des US-amerikanischen Anthropologen F. T.    Cloak ber die Existenz von Corpuscles of Culture, von    Kulturkrperchen auf neuronaler Ebene, als    Grundlage der kulturellen Evolution zurck. Dawkins    unterscheidet nicht, ob eine Information sich auf einem    DNS-Abschnitt befindet, als Gedanke im Gehirn abgespeichert,    als Satz in einem Buch abgedruckt oder als gesprochenes Wort    von Mensch zu Mensch unterwegs ist. Informationen vermehren    sich nach Dawkins, egal, ob als Gen durch die Zellteilung und    der damit einhergehenden Replikation des DNS-Strangs oder    mittels Kommunikation beim Mem. Die bertragung des Mems durch    Kommunikation ist dabei nicht als Kopie (Blaupause) eines    Gedankens von Gehirn zu Gehirn zu verstehen, sondern  indem    der wesentliche Kern der Botschaft erfasst und weitergegeben    wird  eher wie ein Backrezept zur Reproduktion desselben    Gedankens.[9] Beschreibungsmodelle von    Gedanken-Memen unterliegen damit sehr hnlichen    Gesetzmigkeiten wie die der Evolution in der Biologie.    Dawkins spricht in diesem Zusammenhang vom universellen    Darwinismus.[10]  <\/p>\n<p>    Meme als Replikator der kulturellen Evolution weisen eine    begrenzte Analogie zu anderen Replikatoren    auf. Neben den Genen werden von Dawkins auch Viren, Computerviren oder Prionen genannt. Im Analogieschluss werden    Prozesse der kulturellen Replikation  wie in der Evolutionstheorie     ebenfalls mit Variation und Selektion erklrt. Entsprechend    fhre die unvollkommene Replikation zu unterschiedlichem    Reproduktionserfolg    verschiedener Replikatoren. Wie auch bei anderen Replikatoren    kommt es zur Bildung von kollektiv-autokatalytischen Verbnden    von Memen.[11]  <\/p>\n<p>    Der Philosoph Daniel Dennett untersttzte das Konzept    der Memetik in seinem Werk Darwins Dangerous Idea:    Evolution and the Meanings of Life.[12] Als    unabhngige, aber geistig verwandte Theorie kann die 1970 von    Otto Koenig formulierte    Kulturethologie bezeichnet werden. Auch    sie beschftigt sich mit der Evolution von Kultur, zieht dafr    jedoch nicht das Konstrukt des Mems heran, sondern arbeitet    rein deskriptiv.  <\/p>\n<p>    Von 1997 bis 2005 gab es ein regelmig erscheinendes    Journal of Memetics.[13][14] Seit 2009 gibt es die alle drei    Monate erscheinende Zeitschrift Memetic    Computing.[15]  <\/p>\n<p>    Durch die Mem-Hypothese lassen sich Teilaspekte der Evolution    der Vogeldialekte    erklren. Verschiedentlich wird auch versucht, mit Anstzen der    Memetik komplexe soziale Phnomene wie Sprachwandel oder    die Ausbreitung verschiedener missionarischer Religionen und    Kulte zu erhellen.    Auerdem zeigen die Vertreter dieser Hypothese koevolutive    Korrespondenzen zwischen genetischer und memetischer    Evolution (Hirnentwicklung) auf.  <\/p>\n<p>    Zur Veranschaulichung des Konzepts nennt Dawkins die monotheistische    Festlegung auf einen Gott einen erfolgreichen    kulturellen Replikator (gemessen z.B. an seiner    Verbreitung), whrend z.B. der Glaube an die Wirkung von    Regentnzen    sich nicht global durchsetzen konnte, irgendwann sogar einer    kulturellen Auslese zum Opfer fiel und nun ein Nischendasein    fhrt. Dabei kann das Mem nur ein Gott als Teil eines    auerordentlich groen Verbandes sich gegenseitig sttzender    Meme gesehen werden und die jeweilige Religion damit als    Memplex. Diese Idee wird vom Romanautor Wolfgang    Jeschke in seinem 2013 erschienenen Buch Dschiheads    aufgegriffen, in dem er von der Zukunft auf die Jetztzeit und    ihre religisen Auseinandersetzungen, insbesondere um den    militanten Islamismus, blickt.  <\/p>\n<p>    Nach Susan Blackmore ist die Essenz eines    jeden Memplexes die, dass sich Meme in ihrem Innern als Teil    der Gruppe besser replizieren als auf sich allein    gestellt.[16] Als Beispiel fr einen    Memplex nennt sie den Kettenbrief, der typischerweise folgende    Ideen enthlt:[17]  <\/p>\n<p>    Fr sich alleine htte jedes dieser Meme relativ schlechte    Chancen, sich innerhalb einer Gesellschaft zu verbreiten. Als    Gruppe sind sie jedoch hufig geeignet, eine gewisse Anzahl von    Personen von der Wichtigkeit ihrer Verbreitung zu berzeugen.  <\/p>\n<p>    Mit ihrer analogen Anwendung des Evolutionsmechanismus auf    geistige und kulturelle Prozesse setzt die Memtheorie voraus,    dass Meme in vergleichbarer Weise wie Gene diskrete Einheiten    sind, die sich von anderen Memen klar abgrenzen lassen;    ansonsten liee sich die Einheit der Selektion nicht bestimmen.    Dies wird aber von Kulturwissenschaftlern und Psychologen    bestritten.[18][19] Weiterhin    setzt Dawkins Modell kultureller Evolution eine relativ hohe    Kopiergenauigkeit voraus, die nur in Ausnahmefllen durch    Fehler und Ungenauigkeiten zu Mutationen fhrt. Anders lsst    sich von der Memtheorie die hohe Konstanz kultureller    Reprsentationen nicht erklren.[20] Die    Aneignung kultureller Reprsentationen durch Individuen erfolgt    allerdings nur in seltenen Grenzfllen ohne eine    Transformation.[21] Eine empirische Untersuchung von    Scott Atran    hat gezeigt, dass normale Studenten etwa bei der Wiedergabe von    Sprichwrtern die metaphorische Bedeutung erfassen und diese    sinngem wiedergeben, wohingegen Autisten sich lediglich auf    die wrtliche Bedeutung beziehen und mit sprachlichen    uerungen am ehesten kopierend umgehen.[22] Unter    anderem wegen dieser schwachen wissenschaftlichen Fundierung    konnte sich die Memtheorie in den Sozialwissenschaften bisher    nicht durchsetzen, sondern ist vor allem von der ffentlichkeit    breit rezipiert worden.[23]  <\/p>\n<p>    Unklar ist, welcher Erkenntnisgewinn sich aus den Anleihen des    Memkonzepts bei der biologischen Evolutionstheorie fr die    geistes-, sozial- und kulturwissenschaftliche Forschung ergeben    knnte. So waren nach Auffassung des Psychologen Gustav Jahoda die    berzeugenden Elemente von Blackmores Memtheorie bereits im 19.    Jahrhundert bekannt, die neueren Elemente jedoch spekulativ    und hchst fragwrdig.[24] Wird mit der    Mem-Hypothese der Anspruch erhoben, soziale und kulturelle    Entwicklungen in einer Weise zu analysieren, die dem    naturwissenschaftlichen Verstndnis der Realitt entspricht, so    muss die Memetik zeigen, dass sie zu anderen, weiterreichenden    und belastbareren Aussagen gelangen kann als die Sozial-,    Kultur- und Geisteswissenschaften herkmmlicher Art. Wenn Mem    dagegen eine naturalisierende Wortneuschpfung fr Ideen oder    Gedanken ist, muss Ockhams Rasiermesser zum Einsatz    kommen: Entitten sollen nicht unntig vervielfacht    werden.  <\/p>\n<p>    Anders als im Disput ber die biologische Evolutionstheorie    knnen Kritiker der Memtheorie darauf verweisen, dass es fr    die Existenz von Memen und ihre Replikationsmechanismen     anders als fr Gene  bislang keine empirischen Belege    gibt.[25][26] Selbst wer    die Memtheorie als plausibel erachtet, muss daher nach    empirischer Evidenz    fragen.  <\/p>\n<p>    Auch wurde kritisiert, dass sich die Memetik nicht mit einer    materialistischen Ontologie im Einklang    befindet:[2]    Die Anhnger der Memetik versprechen sich von ihrem Ansatz    eine selektionstheoretische Erklrung der Weitergabe und    Ausbreitung von Ideen. Die Memetik ist jedoch zum einen    konzeptionell so unklar, dass sie an Sinnlosigkeit grenzt, zum    anderen ignoriert sie praktisch die gesamte psychologische und    sozialwissenschaftliche Forschung zur menschlichen    Kommunikation (). Idealistische Fantasien werden nicht dadurch    akzeptabler, dass sie in evolutionsbiologischem Gewande    daherkommen.  <\/p>\n<p><!-- Auto Generated --><\/p>\n<p>Read more from the original source:<\/p>\n<p><a target=\"_blank\" rel=\"nofollow\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Mem\" title=\"Mem  Wikipedia\">Mem  Wikipedia<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p> Das Mem (Neutrum; Plural: Meme) ist Gegenstand der Memtheorie und bezeichnet einen einzelnen Bewusstseinsinhalt, zum Beispiel einen Gedanken. Es kann durch Kommunikation weitergegeben und damit vervielfltigt werden und wird so soziokulturell auf hnliche Weise vererbbar, wie Gene auf biologischem Wege vererbbar sind. 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